Veränderungen der Arbeitswelt durch Homeoffice –

Fluch oder Segen?

01.06.2021 - Marco Makdissi

Die Covid-19-Pandemie gilt als Beschleuniger der Digitalisierung und hat die berufliche Arbeitswelt demzufolge gravierend beschleunigt. Zu Beginn wurden technische Lösungen, die Zukunftsaussichten aufzeigten, bejubelt. Die Begriffe Homeoffice, Remote Work oder auch dezentrales Arbeiten waren fortan in aller Munde und sind mittlerweile fest integrierte Bestandteile unseres Arbeitsalltags. Doch wie sieht es hinsichtlich der Gesundheit der Arbeitnehmer*innen aus? Welchen Einfluss üben diese Arbeitsmodelle auf wirtschaftliche Aspekte aus und wer ist besonders von ihnen betroffen? 

Homeoffice vs. Bürojob

Da es sich um ein hochaktuelles Thema handelt, liegen zahlreiche Studien vor, die sowohl die unternehmerische Perspektive als auch die Arbeitnehmersicht im Hinblick auf die Veränderungen im Homeoffice betrachten. Im Folgenden stellen wir die Vorteile den Nachteilen, die sich aus dieser Situation ergeben, gegenüber.

+ Umsetzung 

Eine aktuelle Studie des ifo Instituts (Stand November 2020) zeigt, dass die Umsetzung der Veränderung von Präsenzarbeit ins Homeoffice den meisten Unternehmen kaum Probleme bereitete. Falls Schwierigkeiten bei der Umstrukturierung auftraten, waren diese meist von technischer und organisatorischer Art. Mangelnde technische Voraussetzungen, erschwerte Kommunikation oder auch fehlende Bandbreite führten hier zu Problemen.

+ Restriktionen entfallen

Die meisten Arbeitnehmer*innen nehmen eine positive Veränderung hinsichtlich der Flexibilität und der Zeitersparnis wahr, wie beispielsweise eine Umfrage von Appinio ergab (Stand Dezember 2020). Aspekte wie die vergeudete Zeit für die Fahrt ins Büro, die Parkplatzsuche oder auch die Verwendung von öffentlichen Verkehrsmitteln entfallen und werden somit als positiv wahrgenommen. Einerseits kommt es zur Einsparung von Spritkosten und andererseits führt der fehlende körperliche Kontakt zu einem weiteren Vorteil. Sowohl im Büro als auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln besteht ein höheres Ansteckungsrisiko als in den eigenen vier Wänden. Dieser Entfall sorgt daher für eine minimierte Gefahr.

Zudem sorgen flexiblere Arbeitszeiten für eine bessere Koordination von privaten Terminen. Arzttermine und andere Verpflichtungen lassen sich stressfreier planen. Das Arbeitspensum muss jedoch selbstverständlich erledigt werden, lässt sich aber deutlich flexibler einteilen.

+  Höhere Produktivität?

Von der Kaffeepause oder dem Austausch am Kantinentisch bis hin zum Small Talk mit dem Arbeitskollegen – im Büro sind zahlreiche Störquellen vorzufinden, die aufgrund des fehlenden sozialen Kontaktes entfallen. Theoretisch gesehen würde dies gekoppelt mit einer besseren Work-Life-Balance bedeuten, dass die Produktivität steigen müsste. Dies hat sich jedoch in den meisten Fällen als Irrtum herausgestellt.

Fehlender sozialer Kontakt

Das ausschlaggebende Manko der Heimarbeit ist der fehlende soziale Kontakt. Denn das Pflegen kollegialer Beziehungen stärkt das Vertrauen untereinander. Dies führt wiederum zu einer besseren Kommunikation und abgestimmten Arbeitsweise und somit auch zu besseren Arbeitsergebnissen. Der direkte Austausch, die Motivation untereinander und die Teamarbeit sind für ein angenehmes Arbeitsumfeld enorm wichtig und können durch dezentrale Arbeit und Kommunikation nicht ersetzt werden. Daher kann die Heimarbeit zur Vereinsamung und schlimmstenfalls sogar zum Burn-out führen.

Fehlende Motivation & Ablenkung

Vor allem extrinsisch motivierte Arbeitnehmer*innen, die einen autoritären Führungsstil benötigen, haben im Homeoffice Schwierigkeiten, dauerhaft motiviert zu sein und zu arbeiten. Ein fehlendes Gemeinschaftsgefühl stärkt dieses Problem. Zuhause ist es am schönsten – doch zugegebenermaßen fehlt oft die professionelle Haltung. Störquellen des Arbeitsumfeldes können hier die eigenen Kinder, die Nachbarn und Freunde oder auch der unbeobachtete Zugriff auf das Internet sein. Diese Kombination von heimischer Bequemlichkeit und dem Mix aus Beruf und Privatleben hat sich insbesondere als Hindernis für die eigene Produktivität herausgestellt.

 Macht Homeoffice auf Dauer krank?

Allgemein betrachtet lautet die Antwort auf diese Frage JA. Über die vergangenen zwei Jahre haben zahlreiche Institute wie etwa die DAK, DOG oder auch die COPSY Studie der Uniklinik Hamburg Projekte bezüglich der Gesundheit von Arbeitnehmer*innen durchgeführt. Grundsätzlich gibt es Ausnahmen, wo die Pausen sehr diszipliniert eingehalten, regelmäßige Dehnübungen durchgeführt werden und dauerhafter Bildschirmkontakt vermieden wird. Doch bei der Mehrheit finden solche Maßnahmen nicht statt – schnell versinkt man in Arbeit und vergisst alles um sich herum.

So zeigt sich beispielsweise, dass nur jeder zweite Befragte der DAK Studie bewusst sein Sitzen unterbrach, um kurze Bewegungspausen einzulegen. Nicht jeder verfügt über eine ergonomische Ausstattung, was zu chronischen Erkrankungen wie Haltungsschäden oder Rückenbeschwerden führen kann. Davon sind insbesondere Personen betroffen, die Ihre Arbeit regelmäßig am Küchentisch oder auch auf der Couch verrichten. Daher sollte stets daran gedacht werden, regelmäßige Pausen einzulegen. Auch das Spazieren nach der Arbeit, sei es auch nur eine halbe Stunde, ist eine gute Alternative und bringt viele positive Aspekte mit sich. 

Stets beanspruchte Augen gelten als gesundheitliche Gefahr, die oftmals nicht als solche wahrgenommen wird. Langes Starren auf kleine Bildschirme überstrapaziert die Hornhaut und kann daher negative gesundheitliche Folgen mit sich bringen. Zudem wird vor dem Computer nur halb so viel geblinzelt wie sonst.  Minimiert das Risiko auf Kurzsichtigkeit, indem Ihr ein Blaulichtfilter verwendet und die Augen regelmäßig schont!

Eine kurze Pause an der frischen Luft oder wenige Minuten aus dem Fenster schauen – kleine Maßnahmen tun den Augen einen großen Gefallen.

Wer ist besonders betroffen?

Bei einer Umfrage des WZBs wurde festgestellt, dass vor allem Akademiker*innen und Hochverdiener*innen mit hoher Wahrscheinlichkeit von zuhause aus arbeiten. So sind beispielsweise doppelt so viele Beschäftigte in der Dienstleistungsbranche im Homeoffice wie in der Handelsbranche.

Des Weiteren sind Eltern und in erster Linie die Mütter vom dezentralen Arbeiten betroffen. Die Arbeitszufriedenheit bei Müttern ist stärker zurückgegangen als bei Vätern, welches damit begründet werden kann, dass familiäre Angelegenheiten weiterhin in den meisten Fällen den Müttern zu Lasten fallen.

Was hat sich in den vergangenen zwei Jahren verändert?

Zugegebenermaßen lässt sich sagen, dass für die meisten Menschen die initiale Umstellung wohl mit hohem Stress verbunden war. Im weiteren Verlauf hat man sich weitestgehend an die neue Situation angepasst. Doch auch nach zwei Jahren lassen sich Unterschiede feststellen.

So kam bei der psyGa-Befragung heraus, dass sich das psychische Wohlbefinden bei einem Achtel der Befragten deutlich verschlechtert hat. Auch der soziale Aspekt litt darunter . So wird verglichen zum Vorjahr (März 2020) ein bemerkenswerter Rückgang des „Wir-Gefühls“ wahrgenommen. Zusätzlich gibt es auch an der physischen Erscheinung beachtenswerte Veränderungen. Rund zwei Drittel der Befragten der DAK gaben an, dass sie sich weniger bewegen als früher und sogar bei einem Drittel führte dies zu einer Gewichtszunahme von drei Kilogramm.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Bevor wir eine Evaluierung vornehmen, sollte uns eines stets bewusst sein: Ohne Homeoffice wären viele Branchen in den vergangenen Monaten zum Scheitern verurteilt gewesen. Daher ist es ein essenzielles Instrument in der pandemie-bedingten Krise und wird die Arbeitswelt auch zukünftig prägen. Eine Koexistenz von Homeoffice und Bürotätigkeit wird sicherlich Anwendung finden.

In den vergangenen zwei Jahren werden jedoch auch langsam die Langzeitfolgen sichtbar. Es lässt sich ein Abwärtstrend hinsichtlich der Arbeitszeiten und des qualitativen Outputs erkennen. Tendenziell wird bei der Mehrheit eine Verschlechterung der Produktivität festgestellt. Auch gesundheitliche Folgen werden immer gravierender. Daher ist es ratsam, dass wir besser auf unsere Gesundheit achten sollten. Insbesondere die Geschäftsführung muss die Initiative ergreifen und Unterstützung durch bspw. ergonomische Arbeitsausstattung anbieten.

Bleib gesund und versuche eine vernünftige, gesunde Routine in den Alltag einzubringen!

 

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